Die Siegelwelt Chroniken Band 4 - ... entdecken

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Band 4 - ...entdecken

von Beate Paul und Fern Weirich
12/2011 - 56 Seiten - 4,50 € + Porto
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„Mag noch wer einen Keks?“ flüsterte Nils in die Dunkelheit des Schlafzimmers.

„Lass rüberwachsen.“ Wenn es etwas zu essen gab, war Sebastian immer der Erste. Ein dumpfer Schlag dröhnte durch die Stille. „Aua!“ Sebastian war schon fast so groß wie ein Erwachsener, und wenn er eilig aufstehen wollte, rannte er regelmäßig mit dem Kopf gegen das obere Bettgestell.

„Was für ein Glück, dass es nur dein Dickschädel war“, spottete Kevin, den die anderen Jungen „Boss“ nannten. „Ich dachte schon, es wäre ein Erdbeben.“

„Ruhe!“ Im Büro gegenüber saß Schwester Anne über ihren Akten. Wenn sie Dienst hatte, war es normalerweise auch im hinteren Zimmer mucksmäuschenstill, aber seit Nils in die Gruppe gekommen war, schienen andere Regeln zu gelten.

„Ich muss noch mal“, rief Sebastian. Er holte sich zuerst seinen Keks ab, bevor er im trüben Schein der Nachtbeleuchtung zur Toilette tappte.

Im Zimmer war es jetzt still. Nils knusperte leise an seinen Keksen und manchmal rieselten Krümel auf das untere Bett und auf Stubs herab.

Der würzige Duft ließ diesem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Der Kuchen, den es manchmal auf dem Moorhof gab, roch immer gleich. Aber als Nils seine Kekspackung aufgerissen hatte, war Stubs ein Geruch in die Nase gestiegen, der ihn an die Gewürzfladen erinnerte, die die Clanfrauen zur Mitwinternacht gebacken hatten.

Als Sebastian zurückkam, zog er leise die Tür hinter sich ins Schloss, damit sie ungestört weiterschwatzen konnten, doch Schwester Anne hatte scharfe Ohren.

„Lass die Tür offen.“

„T’schuldigung!“ Auf dem Weg zu seinem Bett neben dem Fenster kam Sebastian bei Stubs und Nils vorbei. „Krieg ich noch einen?“, flüsterte er.

„Bring mir einen mit.“ Boss wollte natürlich nicht leer ausgehen und sein bester Freund Wumme war auch immer hungrig.

„Mir auch!“ Bei dem Versuch, besonders leise zu sein, kippte Wummes Stimme in eine höhere Oktave und die anderen kicherten.

„Muss ich noch mal rüber kommen?“

Sebastian hechtete in sein Bett und es klang fast wie ein Erdbeben. Für einen Augenblick hielten die Jungen die Luft an. Nur das Schnarchen von Vincent tönte durch die Dunkelheit. Vincent wäre selbst bei einem echten Erdbeben nicht aufgewacht.

Stubs hörte ein Knistern, dann wurde der Mitwinterfladenduft intensiver.

„Magst du auch einen?“ Gegen den schwachen Widerschein des Flurlichts zeichneten sich der Kopf und ein Arm von Nils ab, der sich zu ihm herunterbeugte.

„Danke.“ Stubs ertastete das hauchdünne, quadratische Gebäck.

„Nimm dir gleich zwei davon“, flüsterte Nils. „Sonst schmeckst du ja gar nichts.“

„Mmm... – Echter Edelschmackofatz!“ Boss schnalzte anerkennend mit der Zunge. „Wo hast’n das Zeug her?“

„Hat mir mein Vater aus der Tiberkuppel geschickt. Er ist mit meiner Mutter und der Band auf der letzten Konzertreise dort gewesen.“

Plötzlich flammte die Deckenlampe auf und die Jungen erstarrten vor Schreck.

„Das ist meine letzte Warnung!“ Wie aus dem Nichts erschien Schwester Anne auf der Türschwelle. „Wenn ich noch einen Mucks höre, haltet ihr morgen Mittagsschlaf wie die Kleinen. Und gegessen wird um diese Zeit auch nichts mehr.“


Stubs konnte nur den langen schwarzen Rock sehen, der sich ihrem Bett nährte. Den Geräuschen nach zog Nils seine Keksschachtel unter der Bettdecke hervor und gab sie Schwester Anne.

„Du hast einen auserlesenen Geschmack. Der Herr Prior mag diese Zimtwaffeln auch.“

„Soll ich meine Mutter bitten, ein paar Päckchen mitzubringen, wenn sie das nächste Mal in der Tiberkuppel auftritt“, entgegnete Nils. „Die sind dort viel billiger.“

„Ich lege sie zu deinen persönlichen Sachen. Und jetzt wird hier endlich geschlafen.“ Sie schaltete das Licht aus und ließ die Tür offen.

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