Geschichte der Schmuckherstellung

Information:
Geschichtliche Entwicklung der Schmuckerstellung
Navajo Zuni Santa Domingo
Hopi
Materialien
Silber Türkis Koralle
Overlay Technik Inlay Neddle-/Petitpoint
Liquid Silver Fetische Bi-Colour
Inlay-Gold
Pawn
(Schmuck aus dem Pfandhaus
)

Die ersten Indianer, die um 1860 das Verarbeiten von Silber zu Schmuck lernten, waren die Navajo. Ihre Lehrmeister waren die Mexikaner, die selbst wiederum viele ihrer Kenntnisse von den Spaniern erworben hatten. Die Silberschmiedekunst ist also noch relativ "jung" für die Indianer, während schon ihre Vorfahren vor 2000 Jahren Steine zu Schmuck verarbeiteten. Das benötigte Silber gewannen die indianischen Silberschmiede zunächst vorzugsweise durch Einschmelzen von amerikanischen und später mexikanischen Münzen, bis beides durch die jeweiligen Regierungen verboten wurde. Nach 1940 setzte sich dann allmählich der Gebrauch von vorgefertigtem Silberblech und -draht durch, auch Steine konnten jetzt bereits fertig geschliffen und poliert gekauft werden, Umstände, die die Arbeit der Silberschmiede wesentlich erleichterten. Diese "Aufbereitung" der Materialien, sowie eine ständige Verbesserung der Werkzeuge, ermöglichte eine Verfeinerung der Techniken, was wiederum zu einem Stilwandel beitrug. Der heute von indianischen Silberschmieden hergestellte Schmuck unterscheidet sich im Stil z.T. wesentlich von dem Schmuck der Anfänge.

Den weitaus größten Anteil an der kunsthandwerklichen Produktion von authentischem Indianerschmuck haben drei Stämme im Südwesten der USA: die Navajo, die Zuni und die Hopi. Aber auch andere Indianerstämme, wie z.B. die Santo Domingo, die Acoma oder die Bewohner vom Taos Pueblo stellen Schmuck aus Silber, Türkis und/oder anderen Halbedelsteinen her.

Die Navajo leben zumeist in einsamen, unfruchtbaren Gegenden ohne Elektrizität und fließend Wasser. Sie zogen früher als Nomaden umher und finden sich auch heute nur selten in größeren Siedlungen zusammen, für die sich eine Elektrifizierung lohnt.

Strom und Wasser sind aber sehr wichtig für die Bearbeitung von Steinen, daher kaufen die Navajo meist schon fertig verarbeiteten Stein. Diesen lieferten schon früh die Zuni, die fast alle in ihrem, an das Wasserleitungs- und Elektrizitätsnetz angeschlossenen, Hauptpueblo leben. Es gibt Schätzungen, nach denen die - zahlenmäßig weitaus kleineren - Zuni mehr Schmuck als alle Navajo zusammen herstellen: fast in jeder Zuni-Familie ist mindestens ein Mitglied mit der Herstellung und/oder dem Verkauf von Schmuck oder -steinen beschäftigt.

Die Hopi leben noch heute in den entlegenen Dörfern, die bereits ihre Vorfahren um 1500 bewohnten, und die bis vor nicht allzu langer Zeit nur über unwegsame Pfade zu erreichen waren. Nicht zuletzt aufgrund dieser Abgeschiedenheit sind die Hopi von den drei genannten Stämmen diejenigen, die bis heute am besten in der Lage waren, ihre Tradition zu erhalten. Sie sind auch heute noch am Tourismus desinteressiert und widersetzen sich dem Einfluss der "amerikanischen Gesellschaft" entschieden. Die Hopi leben noch immer vorwiegend von der Landwirtschaft, und das trotz des für unsere Verhältnisse fast unfruchtbaren Bodens im Reservat.

Hier gibt es prozentual, verglichen mit den Navajo und den Zuni, am wenigsten Silberschmiede.

Im Schmuck dieser drei Stämme gibt es grundsätzliche Wesensunterschiede. Da sich jedoch die Stilelemente auch vermischen, kann man nie genau sagen, ob ein Schmuckstück von einem Hopi, einem Zuni oder einem Navajo hergestellt wurde, es sei denn, man kennt den Künstler, bzw. erkennt ihn an der Signatur. Allerdings signieren nur wenige Silberschmiede ihre Arbeiten, und das vor allem auf Wunsch der nicht-indianischen Käufer.

Die Herstellung von Schmuck war und ist für die Indianer Volkskunst, und eine Signierung der Stücke wird von vielen als Brüskierung von Kollegen betrachtet.

NAVAJO

Für den Navajo hat Schmuck drei Funktionen:
Dekoration, Handelsware und, vielleicht die Wichtigste, Zurschaustellung von Wohlstand.
Für seine Herstellung sind drei Prinzipien der Navajo-Kultur von grundlegender Bedeutung: Einfachheit, Stärke, feine Proportionen.
Wie schon erwähnt, sind die Navajo in erster Linie Silberschmiede. Sie verwenden jedoch auch Schmucksteine, die sie in verschiedenen Techniken zusammen mit dem Silber verarbeiten.

Geschmiedetes Silber: Der Silberschmied hämmert und feilt das Silber, bis es die gewünschte Form erreicht hat. Dann werden Muster mit Stempeln und/oder anderen spitzen Werkzeugen eingeprägt, bzw. "eingezeichnet". Anschließende Oxydation im Säurebad unterstreicht durch Schwärzung des Silbers gelegentlich die Linien.

Gegossenes Silber: Der gebräuchliche Ausdruck dafür ist "sandcast". Geschmolzenes Silber wird in eine vorher gefertigte Form aus weichem Vulkan-Gestein gegossen. Das erkaltete Werkstück wird anschließend durch Feilen in seine endgültige Form gebracht. Das Gestein verträgt meist nur 2-3 Abgüsse, denn es muss andererseits ja weich genug sein, damit der Silberschmied die gewünschte Form hineinschnitzen kann. Neuerdings werden auch andere, haltbarere Materialien, wie z.B. Zement, für die Gussform benutzt. "Sandcast" darf nicht verwechselt werden mit "spincast", einer industriellen Technik, bei der Wachsabgüsse eines Originals unter Zuhilfenahme von Zentrifugalkräften zu einer fast unbegrenzten Anzahl von Kopien führen.

Shadow Box: Wörtlich übersetzt heißt dieser Stil in etwa "Schattenschachtel".
Die Ränder des (oxydierten) Silberbleches werden zum Zentrum des Werkstückes hin hochgebogen, senkrecht weitergeführt und teilweise fest mit dem Boden des Silberbleches verbunden. In diesen Fällen kann Luft eingeschlossen werden und beim Loten das Werkstück sprengen, daher ist diese Technik schwierig zu beherrschen. Am Schluss des Bearbeitungsprozesses wird die Oberfläche der Shadow Box hoch poliert, so dass ein starker Kontrast zu dem schwarzen Boden der "Box" entsteht.

Mosaik: Splitter von Schmucksteinen werden unter Zuhilfenahme von Spezialklebstoff in Vertiefungen im Silber eingefügt und dann glattgefeilt. Die Vertiefungen entstehen entweder durch Hämmern oder dadurch, dass zwei Silberbleche, von denen aus dem oberen ein Muster ausgesägt wurde, aufeinander gelötet werden. Siehe dazu die Ausführungen zur "Overlay"-Technik.

ZUNI

Für die Zuni, die ja in erster Linie Steinschleifer -Lapidaries- sind, besitzt das Silber kaum Schönheit für sich allein. Es ist nur das Material, das dem Schmuckstein als Halt dient. Der Stein, besonders der Türkis, ist das dekorative Element, und je kunstvoller er verarbeitet ist, desto schöner ist in den Augen der Zuni das Schmuckstück. Typische Elemente im Schmuck der Zuni, die schon seit vielen hundert Jahren Steinexperten sind: Kleine Steine ("needlepoint", "petitpoint"), "Inlay", "Channel" und Fetische. Die verwendeten Designs sind, ähnlich wie bei den Navajo, meist ausschließlich dekorativ einige haben jedoch religiöse Bedeutung. In den 5oer Jahren fanden vielfach der Kriegsgott "Knife Wing", von den Weißen "Thunderbird." genannt, sowie der "Regenbogenmann" Verwendung, während man heute ebenso eine große Vielfalt von Formen benutzt, die in der Umwelt der Zuni vorhanden sind., z.B. der Kolibri oder der sehr populäre Schmetterling.

Neddle-/Petitpoint (Kleine Steine): Verschiedene Formen und Größen (bis kleiner als 1 mm) werden mit großer Kunstfertigkeit geschliffen und in verschiedenen Mustern (Kreise, Reihen, Gruppen) auf einer Silberfläche angebracht. Als "needlepoint" bezeichnet man die Technik, bei der kleine Steine an beiden Seiten gespitzt, individuell gefasst und in geometrischen Mustern angeordnet werden. "Petitpoint" ist jede Modifikation von "needlepoint": Ovale, Kreise, Dreiecke, Tränen/Tropfen.

Inlay: Einlegearbeiten. Schmucksteine verschiedener Größe, auch Splitter, werden eingelegt. Von "direct inlay" spricht man, wenn Schmucksteine "direkt" ineinander gelegt werden, also nicht durch Silber miteinander verbunden sind. Beim "channel-inlay" schließlich werden schmale Streifen aus Silberblech rechtwinklig auf eine Grundplatte aufgelötet. Damit wird die Fläche in kleine Zellen aufgeteilt, die, mit Schmucksteinen aufgefüllt, die verschiedensten Muster bilden können.

Fetische: Sie werden schon seit prähistorischen Zeiten von den Indianern als Zeremonienobjekte benutzt. Den Stämmen des Südwestens, insbesondere den Zuni, dienen Tierimitationen, die aus den verschiedensten Schmucksteinen geschnitzt werden, als Glücksbringer für Jagd und Ernte. Sie werden in sogenannten Fetischschalen aufbewahrt und mit Türkis oder anderen Speisen "gefüttert".
Fetische werden jedoch auch oft als Schmuck verwendet. In diesem Fall sind sie meist sehr klein, werden durchbohrt, auf Schnüre gezogen und als Halskette getragen; dann haben sie jedoch keine, religiöse Bedeutung.

Nicht verwechselt werden sollten die Zuni-Fetische mit den billigen fernöstlichen Importen oder gar maschinell hergestellten Kopien.
Maschinell hergestellte Fetische sehen identisch aus und lassen jede Unregelmäßigkeit vermissen

Hopi

Die Overlay-Technik wurde traditionell nur vom Stamm der Hopi in Arizona verwendet.
Es gibt unter den Hopi bei Weitem nicht so viele Silberschmiede wie unter den Navajo oder Zuni. Sie sind, wie auch die Navajo, in erster Linie Silberschmiede, vielleicht sogar noch ausgeprägter als diese. Hopi-Schmuck ist Silberschmuck, Steine werden kaum verwandt.
In jüngster Zeit wird diese Technik aber auch von Navajo-Künstlern benutzt, ihre Arbeiten unterscheiden sich jedoch von denen der Hopi in den Motiven und in der Regel auch in der Qualität (weniger präzise). Heute auch Kopien aus Billiglohnländern, z.B. Mexiko, die vom Nichtfachmann kaum von der Arbeit der Native Americans unterschieden werden können.
Charakteristische Merkmale für Hopi Silberschmuck sind die Asymmetrie in den Motiven und die Overlay-Technik:
Bei dieser Technik werden zwei Silberbleche aufeinander gelötet. Im ersten Arbeitsschritt werden die Motive aus der oberen Silberplatte (Motivplatte) von Hand mit einer feinzahnigen Säge ausgesägt, während das untere Blech in eine Säurebad oxydiert wurde. Dadurch entsteht eine mattschwarze Oberfläche. Nach dem zusammenlöten wird das Obere Silberblech poliert, wodurch ein dekorativer Kontrast schwarz/silber entsteht und der skulpturelle Effekt der Overlay-Technik verstärkt wird.
In der Regel werden bei der Overlay-Technik keine Steine eingearbeitet.
Das Gegenteil von overlay ist die Appliqué Technik, hierbei wird nach dem Sägen das Positiv Stück auf die oxydierte Grundplatte aufgelötet.

Santo Domingo

Dieses Volk stellt seit Jahrhunderten Schmuckketten aus Türkis- und Muschelscheiben her. Auch heute genießen diese Ketten ein großes Ansehen. Dabei ist 'Heishe' ('Hieschi' ausgesprochen) die Bezeichnung für die oft nur 1 mm im Durchmesser kleinen Muschelscheiben, die Scheiben aus anderen Natursteinen. z.B. Türkis, nennt man 'Beads'.
Um sie herzustellen, müssen rohe Steine zuerst in Scheiben und dann in kleine Quadrate zersägt, durchbohrt, aufgereiht und dann an Schleifsteinen gerundet werden. Bis zur Einführung dieser (meist elektrischen) Schleifsteine wurden die Scheiben noch in einem sehr zeitraubenden Verfahren zwischen Sandsteinplatten gerollt, dies geschieht heute nur noch selten. Einige Santo Domingo Indianer stellen auch Silberschmuck her, ebenso wie Stammesangehörige der Acoma, Cochiti, San Felipe, San Juan oder Taos, um nur einige zu nennen. Während die Navajo, Hopi und Zuni jedoch als Volk für ihren jeweiligen Schmuck bekannt sind, gibt es hier lediglich einzelne Silberschmiede, die einen individuellen Stil und Namen haben. Es gibt keine herausragenden eigenständigen Stile oder Techniken, sie ähneln denen der drei zuvor genannten Hauptstilrichtungen.

Liquid-Silver (flüssiges Silber)

Entwickelt von der Familie Rosetta aus dem Santa Domingo Pueblo. Die von Hand und zu hunderten aufgezogenen Silberrohrstücken wirken als einzelner Strang, erstrecht aber in vielen Strängen zu einer Kette zusammengefasst, in ihrer Bewegung wie flüssiges Silber.

Die Stränge werden zum größten Teil nur aus Silber hergestellt, aber in manchen Fällen auch in mit Steinröhrchen oder Nuggets unterbrochenen Reihen gefertigt.

Bi-Color
Bei dieser Stilrichtung wird während der Fertigung genauso vorgegangen wie bei der oben genannten Overlay-Technik. Mit dem einen Unterschied, dass Teile der oberen Schicht nicht aus Silber gefertigt werden, sondern aus 14-karätigem Gold.

Inlay Gold
Die Fertigung läuft gleich der, der "normalen" Inlay-Technik. Mit dem Unterschied, dass das Basismaterial hier reines Gold ist.

Einige Anmerkungen zum Material:

Silber: Im allgemeinen wird ausschließlich Sterling-Silber verarbeitet: das Metall enthält 925/oo Silber - daher auch "925er"-Silber genannt. In nur sehr wenigen Fällen wird das etwas härtere "835er"-Silber verwendet, und dies auch nur, wenn der Schmuckgegenstand es verlangt - nicht etwa aus Kostengründen, denn der etwas höhere Preis, den der Silberschmied für die "bessere" Legierung bezahlen muss, wird wettgemacht durch die bessere Verarbeitungsfähigkeit bzw. Plastizität des Sterling-Silbers. Das Einprägen des Silbergehaltes (bei uns: 925 bzw. 835) ist hier nicht üblich.

Türkis: Der Edelstein Türkis ist wohl der wichtigste Schmuckstein für den Indianer des Südwestens. Ihm wurden schon lange von vielen Naturvölkern der Erde ganz besondere (magische) Eigenschaften nachgesagt, und auch unter den Indianern spinnen sich um ihn viele Legenden. So glauben viele, er habe seine Farbe einst vom Himmel bekommen. Seine magischen Eigenschaften sind durchweg positiv. Man glaubt, er bringe Regen für die .ausgedörrten Felder, sowie Gesundheit und Reichtum für den, der ihn trägt. Geologisch gesehen, "nüchtern betrachtet", besteht der Türkis im Wesentlichen aus hydrierten Aluminium- und Kupfersulfaten. Er wird meist in geringer Tiefe in kleinen Adern gefunden. Seine Farbe variiert von dunkelblau über blassblau und blassgrün bis hin zu dunkelgrün. Dies ist abhängig vom Kupfer- bzw. Eisengehalt. Der Wert des Türkises richtet sich nach seiner Härte und der damit verbundenen Farbstabilität, sowie nach seiner Farbe selbst. Der Indianer zieht ein kräftiges Blau dem bei uns beliebteren blassen Farbton vor, da eine Verarbeitung im Silberschmuck nach einer kräftigen Farbe verlangt. Bei uns wird Türkis vorwiegend mit Gold verarbeitet, zu dem blasse Farben besser zu passen scheinen.
Weiterhin wird der Wert des Türkises ganz wesentlich bestimmt durch Farbe und Art seiner Matrix.
Die Matrix besteht aus dem Gestein, in dem der Türkis vorkommt, z.B. Eisenpyrit oder Quarz. Der Türkis des Südwestens, der mit Silber verarbeitet wird, verfügt gewöhnlich über eine solche Matrix; diese bedeutet nicht etwa eine Verminderung der Schönheit oder des Wertes des Steines, sondern verleiht ihm oft erst seinen "Charakter". Am begehrtesten ist die sogenannte 'spiderweb'- (Spinnennetz) Matrix, die sich vorzugsweise gleichmäßig spinnennetzartig über den Stein zieht und seinen Wert enorm erhöht.
Berühmte Türkis-Minen: Morenzi, Bisbee, Kingman, Lone Mountain, Nevada No.8, Sleeping Beauty.
Der Wert des Türkises variiert - je nach Ausprägung der genannten Qualitätsmerkmale - von wenigen DM pro Gramm (1gr. = 5 Karat) bis zu mehreren hundert DM. Mit einem Wert von 20 bis 30 DM pro Gramm ist selbst Türkis mittlerer Qualität ungefähr so teuer wie Gold. Die Spitzenqualität hingegen ist für kaum einen Silberschmied erschwinglich und wird nur von wenigen Künstlern verwendet, und zwar häufig in Verbindung mit Gold und Brillanten.
Mit Ausnahme der absoluten Spitzenqualität ist Türkis in seiner natürlichen, unbehandelten Form gewöhnlich relativ porös, und die Farbe kann sich durch Kontakt mit Luft, Wasser, Körperfetten oder Parfüm verändern. Kein unbehandelter, natürlicher Türkis ist vollkommen sicher gegen Farbveränderungen. Daher begann man schon vor langer Zeit, nach Verfahren zu suchen, mit denen man den Türkis "stabilisieren", d.h. so härten konnte, dass die Farbe "stabil" blieb. Bis vor kurzem geschah dies mit relativ geringem Erfolg, aber inzwischen wurde ein (hochkompliziertes) Verfahren entwickelt, das eine Undurchlässigkeit gegenüber Luft, Wasser und Chemikalien bewirkt und den Türkis sicher in seiner Farbe und Schönheit stabilisiert. Dieses Verfahren wird nur bei guten Steinen angewandt, die über schöne Farbe und Matrix verfügen, die man erhalten will. Der absolute Spitzentürkis hingegen ist schon von Natur aus so hart, dass eine Stabilisierung weder angebracht noch möglich ist.
Eine andere "Behandlung" wird mit den schlechtesten Türkisqualitäten vorgenommen, die ohne eine solche Behandlung für eine Verarbeitung zu Schmuck ungeeignet wären. Dieses Verfahren, bei dem durch Injektion einer Spezialmasse, z.B. Paraffin, eine Farbveränderung im Stein bewirkt wird, ist deutlich zu trennen von der Stabilisierung. Während hier ein wertloser Stein verändert und nutzbar gemacht wird, werden bei der Stabilisierung nur gute Steine verwendet, deren Wert und Schönheit erhalten und nicht verändert werden sollen.

Nicht, unerwähnt bleiben sollen weiterhin Türkisimitationen, die in 3 Gruppen eingeteilt werden können:
1. Gestein wie Agat oder Quarz wird gefärbt (z.B. "HOWLIT")

2. Künstlicher Türkis aus Materialien gleicher chemischer Struktur, dem eine künstliche Matrix injiziert wird. In der Regel auch für den Laien zu erkennen an fehlendem Glanz, ebenso wie

3. gefärbtes Plastik

Die Herstellungstechnik dieser Imitationen ist heute so ausgefeilt, dass oft nur der Fachmann die Fälschung erkennt und selbst viele Einzelhändler nicht wissen, dass es sich bei der von ihnen angebotenen Ware nicht um Türkis handelt; allerdings wird solcher "Türkisschmuck" nur selten als "Indianerschmuck" angeboten. In jedem Fall sollte man beim Kauf genau hinsehen und prüfen. Größte Vorsicht ist geboten, wenn die "Türkise" einer Auslage eine zu große Farbähnlichkeit aufweisen. Im Zweifelsfall sollte man sich beim Kauf die Echtheit bestätigen lassen. Schon schwieriger ist für den Nicht-Fachmann die Unterscheidung zwischen gutem, stabilisiertem und unstabilisiertem Türkis. Bei kleinen Steinen und normalen Qualitätsangaben (auch am Preis ablesbar - erwarten Sie keinen Spitzenstein zu Durchschnittspreisen!) sollten vor allem die handwerkliche Qualität und Originalität den Wert des Schmuckstückes bestimmen.
Die Weltvorkommen von gutem Türkis sind inzwischen nahezu erschöpft, darin sind sich die Experten einig. Nicht zuletzt deshalb stieg der Wert des indianischen Türkisschmuckes seit 1965 um ein Vielfaches.

Koralle: Sie wird ebenfalls sehr häufig von den Indianern im Silberschmuck verarbeitet. Sie ist weder Pflanze noch Mineral, sondern das Kalkskelett tausender kleiner Seetierchen, und ihre "Ernte" erfolgt durchweg unter nicht unerheblichen Gefahren für den (tauchenden) Menschen. So hat beispielsweise Italien, lange Jahre Hauptlieferant für Koralle in der Welt, ihre Ausfuhr zeitweise verboten, da es bei der Korallenernte zu zahlreichen schweren Taucherunfällen kam.

Aufgrund der schwierigen, gefährlichen Ernte ist Koralle ebenfalls sehr wertvoll; sie wird daher auch "rotes Gold" genannt. Die Indianer, von denen sie seit Jahrhunderten als Schmuck getragen wird, schreiben ihr gewaltige mystische Kräfte zu, wie z.B. Heilung von Blindheit und Schlangenbiss, Glück, langes Leben und Fruchtbarkeit. Die Farbscala reicht von blassrosa bis dunkelrot. Für die Verarbeitung im Silberschmuck eignen. sich besonders die dunkleren, kräftigeren Töne.
Neben Koralle und Türkis gibt es noch eine Reihe weiterer (einheimischer, aber auch importierter) Materialien, die von den indianischen Silberschmieden in ihrem Schmuck verarbeitet werden: Jet (versteinerte Kohleform), Catlinit (Pipestone), verschiedene Muschelarten (unter ihnen Abalone, die von Laien auch mit Opal verwechselt wird), Lapislazuli, Elfenbein, Ebenholz und Onyx. Die Verarbeitung von Diamanten, Rubinen oder Saphiren - zusammen mit Gold - ist bei den Indianern unpopulär und kaum verbreitet.

Touristische "Gelegenheitskäufe" im Südwesten der USA oder auf dem Flohmarkt um die Ecke:

Wer guten, authentischen Qualitätsschmuck kaufen will, sollte dies nicht an der Straße oder auf Flohmärkten versuchen. Man kann sicher mit viel Glück auch ein gutes Stück billig erstehen, die Chancen dafür sind jedoch gering. Der meiste so angebotene Schmuck ist nicht viel wert. Das angeblich handgearbeitete Stück kann z.B. ein Maschinenprodukt sein, oder, was häufiger vorkommt und auch schwerer vom untrainierten Auge zu erkennen ist, bei den verwendeten Materialien kann es sich um Imitationen oder minderwertige Qualitäten handeln, z.B. ist statt Sterling-Silber eine Ersatzlegierung (völlig in Ordnung, wenn als solche angegeben), oder statt des echten Türkises eine der bereits erwähnten Imitationen wie Plastik verarbeitet worden. Gründliches Nachfragen beim Verkäufer ist angebracht, schützt aber nicht in jedem Fall. Besondere Vorsicht ist auch geboten vor den seit einiger Zeit gelegentlich auftauchenden Indianerschmuck-Imitationen aus Südostasien, vorzugsweise im Zuni- oder Santo Domingo-Stil. Auch die Abstammung des Verkäufers gibt nicht unbedingt Aufschluss über die Echtheit eines Schmuckstückes!

Zum Schluss noch ein paar Anmerkungen zu "Old Pawn":

Das "Pawn"-System (Pfandleihe) ist seit den frühen 1880er Jahren ein wesentlicher Bestandteil der Wirtschaft in den Reservaten. Besonders die Navajo, deren ökonomische Grundlage die Schafzucht war, nutzten die von den Händlern gebotene Möglichkeit, in Zeiten der Geldknappheit ihren Schmuck zu verpfänden. Im Frühling und im Herbst, wenn Schafschur und -verkauf wieder Geld einbrachten, wurde der Schmuck dann wieder eingelöst. Manchmal wurde ein Stück jedoch nicht abgeholt, wenn z.B. sein Besitzer gestorben war. In diesen Fällen konnte der Schmuck - nach einer langen Sperrfrist als "Dead Pawn" verkauft werden. Heute hat das Pawn-System viel von seiner Bedeutung verloren, und es ist schwierig, "Dead Pawn" zu bekommen, da es - besonders bei Nicht-Indianern - sehr begehrt ist. Immerhin handelt es sich um Schmuck, der einmal von einem Indianer getragen und geschätzt wurde. Von dem Mitglied einer Rasse also, deren Kultur langsam in den Abgründen der Geschichte zu versinken droht.

* inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten